Alkohol als Problemlöser?

Der 54jährige Mann versichert mir treuherzig: „ Frau Doktor, mehr als drei Bier pro Abend trink ich nie, und ich hab es schon mal eine ganze Woche ohne geschafft!“
Er habe einen stressigen Job, Termine ohne Ende. Der Chef mache Druck. Im Geschäft seien es immer weniger Leute, die immer mehr Arbeit machen.
Leider kann dieser Patient ohne sein abendliches Bier nicht mehr einschlafen, und schnell wird daraus eine Gewohnheit. In der Regel findet sich immer eine Ausrede, um den Alkoholgenuss zu begründen. Oft passiert das auch heimlich. Alkoholiker sind gute Schauspieler, die nach außen hin gut mitmachen und mit allem einverstanden sind, was Partner und/oder Arzt mit ihnen besprechen. Dabei wird hin und wieder auch etwas geflunkert oder untertrieben. Ein gerötetes Gesicht oder Geruch nach Alkohol, häufig schon am frühen Morgen, sprechen eine andere Sprache. Depression und vermehrte Angstzustände können auftreten, aber auch körperliche Anzeichen wie Sodbrennen und Magenschmerzen, vermehrte Stürze.

Wo ist die Grenze?
Bei Frauen liegt die Grenze bei etwa einem Glas Alkohol am Tag, also ca. 12 g. Für gesunde erwachsene Männer liegt diese Grenze bei 24 g Alkohol pro Tag, d.h. etwa zwei Gläser. Wenn Sie als Frau mehr als 0,1 l Wein oder Sekt, mehr als ein viertel Liter Bier oder 4 cl Schnaps pro Tag trinken, bewegen Sie sich bereits in einem gesundheitlich riskanten Bereich. Für Männer gilt die doppelte Menge, also ein halber Liter Bier pro Tag oder ein vierte Liter Wein pro Tag als Grenze.
Als alkoholabhängig gilt, wer mindestens drei von sechs Kriterien erfüllt: ein starkes Verlangen nach Alkohol; eine verminderte Kontrollfähigkeit; körperliche Entzugssymptome; die Ausbildung einer Toleranz-immer höhere Dosen werden erforderlich; das Vernachlässigen anderer Interessen zugunsten des Alkohols. Die Fortführung des Konsums trotz negativer körperlicher, sozialer oder sonstiger Folgen. Der Tag wird nach dem Alkoholkomsum ausgerichtet.
Brauchen Sie abends Ihr Bier oder Glas Wein regelmäßig zum „Runterkommen“? Damit Sie schlafen können? Können Sie „nein“ sagen, auch im Freundeskreis, wenn Alkohol angeboten wird, oder nach einem Gläschen auch mal Schluss machen?

Testfragen: Was tun Sie, um zu entspannen und besser mit Ihrem Stress umgehen zu können?
Trinken Sie gelegentlich ein Glas Wein oder Bier? Wie häufig in der Woche? Wieviel Bier schaffen Sie maximal an einem Abend/auf einmal zu trinken?
Falls Sie hier selbst ein Problem sehen, vereinbaren Sie bitte einen Termin bei Ihrem Hausarzt. Es gibt auch in jedem Landkreis eine Suchtstelle, wo Sie sich beraten lassen können.

Wie kann der Alkoholismus behandelt werden?
1) Ehrlich sein und es vor sich selbst zugeben
2) Die Hilfe von anderen annehmen . Alkohol ist kein Problemlöser. Sie schaffen sich dadurch nur ein neues – größeres – Problem  an den Hals.

Die Unterstützung der Familie, von Freunden und Hausarzt ist dabei unumgänglich.
Weitere Infos finden sich unter z.B. kenn-dein-limit.de.

© Dr.med. Sieglind Zehnle, Ruiter Straße 7, 73760 Ostfildern

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