Wie komme ich gut durch den Winter? Oder: der Winter-Cocktail

„Jedes Jahr im Februar erwischt es mich wieder“, sagt eine Patientin, „da habe ich regelmäßig meine Sinusitis.“ Gerade bei feuchter, kalter Witterung häufen sich wieder die Erkältungen. Die Frage ist: Warum gerade dann? Warum lässt die Abwehr in den Monaten zwischen Oktober und März deutlich nach?

Eine mögliche Ursache liegt darin, dass wir das fehlende Sonnen-Vitamin D im Winterhalbjahr für die Abwehr, Knochen und Muskeln zunehmend verbrauchen. Wir haben es im Sommer, soweit möglich, aufgetankt. Vitamin D (s. Blogartikel dort) wird im wesentlichen über die Haut und weitere Organe produziert. Sie können davon ausgehen, dass dann genug Vitamin D  produziert wird, wenn die Sonne so stark scheint, dass Sie einen Sonnenbrand bekommen könnten. Dann ist eine halbe Stunde Sonne pro Tag, möglichst mit nur geringer Bekleidung, ausreichend für die Vitamin-D-Produktion.
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Im Winterhalbjahr von ca. Oktober bis ca. März hingegen reicht es mitnichten, einmal am Tag an die „frische Luft“ zu gehen und seine Handinnenflächen und das Gesicht in die blasse, milde Wintersonne, soweit vorhanden, zu recken. Dazu ist die Sonneneinstrahlung viel zu schwach. Auch produziert die Haut aufgrund ihrer veränderten Beschaffenheit ab ca. 40 Jahren aufwärts grundsätzlich schlechter die Vitamin-D-Vorstufen.

Vor allem Frauen ab Ende 40 klagen im Winterhalbjahr zusätzlich häufig über nächtliche Schmerzen in den Fingergelenken. Es finden sich dann schmerzhafte Knoten an den Fingermittel-und Endgelenken. Das nennt man eine sogenannte Fingergelenksarthrose (Heberden-und Bouchardsche Arthrose). Die Hände fühlen sich morgens „wie steif“ an. Starke Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Cortison helfen nur vorübergehend. Auch hier ist die Ursache häufig ein zu niedriger Vitamin-D-Spiegel.
Lassen Sie daher bei diesen Beschwerden beim Hausarzt Ihren Vitamin-D-Spiegel einmal bestimmen, um genau Bescheid zu wissen. Leider ist das eine relativ teure Blutuntersuchung (um die 28 Euro), welche die gesetztlichen Kassen in der Regel nicht übernehmen. Aber dann wissen Sie Bescheid und können etwas tun.

Der Ersatz von Vitamin D ist dagegen relativ preiswert. Für Patienten über 50 kg reichen meiner Erfahrung nach  meistens 1000 IE Vitamin D täglich in den Wintermonaten nicht aus, sondern es sind 2000 IE pro Tag erforderlich für den Erhalt des Immunsystems und, soweit vorhanden, zur Verringerung der Fingerarthrose-Schmerzen. Bei stark übergewichtigen Patienten oder solchen, die auf niedrig dosierte Vitamin-D-Präparate gelegentlich Durchfall bekommen, ist ein hochdosiertes Vitamin-D-Präparat empfehlenswert, welches nach Anleitung des Arztes mehrmals wöchentlich bis einmal monatlich genommen wird.

Weitere Tipps, um gut durch den Winter zu kommen:
1) Setzen Sie regelmäßig für Ihren Körper Kalt-Warm-Anreize, am besten mindestens einmal wöchentlich. Gehen Sie regelmäßig an die frische Luft, und zwar bei jedem Wetter, mindestens jeden zweiten Tag!
2) Ansonsten kann auch ein Saunagang, mindestens einmal wöchentlich, hilfreich sein, oder mindestens einmal wöchentlich eine Runde Schwimmen in kaltem Wasser. Das regt Ihr Immunsystem an und stärkt Herz und Kreislauf!
3) Die Grippeimpfung. Oft geschmäht und schlechtgemacht, ist sie doch eine unserer besten Prophylaxen gegen schwere Infekte. Es ist sogar nachgewiesen, dass eine regelmäßige Grippeimpfung Herzinfarkten vorbeugt. Bei über 60-Jährigen sollte auch eine Impfung gegen Lungenentzündung durchgeführt werden.

Wenn Sie alle drei Punkte beherzigen: 1) Vitamin-D-Ersatz im Winterhalbjahr, und zwar auch für die ganze Familie zur Vermeidung von kreisenden Infekten; 2) regelmäßige Kalt-Warm-Reize fürs Immunsystem; 3) Grippeimpfung, so besteht eine große Chance, dass Sie ohne Infekt oder zumindest ohne schwere Infekte-und mit weniger Gelenkschmerzen-durch den deutschen Winter kommen!

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