Osteoporose

Was ist Osteoporose?
Normalerweise erneuert sich der Knochen fortwährend in einem Auf- und Abbauprozess. Dabei wird alte Knochensubstanz abgebaut und durch neue ersetzt. Das dient der Anpassung an die wechselnden Belastungen im Laufe des Lebens. Die Stützfunktion des Skelettes bleibt so erhalten. „Osteoporose“ bedeutet: poröser Knochen, das heißt, eine Verminderung der Knochenmasse und Verschlechterung der Feinstruktur des Knochens. Osteoporose entsteht, wenn mehr Knochen ab- als angebaut wird. Dieser  poröse Knochen bricht dann leichter. Schätzungsweise jede dritte Frau nach den Wechseljahren erleidet eine Osteoporose, d.h. etwa 6,5 Millionen Frauen in Deutschland sind derzeit davon betroffen.
Falls die Knochendichte erniedrigt ist, treten bei Frauen nach den Wechseljahren als Erstes Wirbelkörperbrüche auf, z.B. der Brust-oder Lendenwirbelsäule. Bei Frauen über 75 kommt es dann auch zu Brüchen der Hüftknochen, meistens bei Stürzen.
Die neun wichtigsten Risikofaktoren für osteoporotische Knochenbrüche sind:

  •   Geschlecht (Frauen früher als Männer)
  •   fortschreitendes Alter
  •   ein  vorausgegangener Wirbelkörperbruch
  •   verschiedene Brüche nach Bagatellverletzungen, z.B. Handgelenksbrüche
  •   ein Elternteil mit einem abgelaufenen Hüftgelenksbruch (familiäre Belastung)
  •   Untergewicht (BMI < 20)
  •   Rauchen (fördert auch z.B. Arthrose)
  •   fehlende Beweglichkeit, Gleichgewichtsstörung (Immobilität)
  •   Neigung zu wiederholten Stürzen


Das Auftreten von Osteoporose kann unter anderem auch gefördert werden durch….

  • Einnahme von bestimmten Medikamenten, zum Beispiel:
  • eine mehrmonatige Cortisoneinnahme;
  • Einnahme von Antiepileptika(Krampfmitteln)
  • Einnahme von Antidepressiva
  • eine Schilddrüsenüberfunktion (TSH < 0,3 mU/l)
  • Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)


Wann sollten Sie sich ärztlich auf Osteoporose untersuchen lassen?
Bei ungewohnten oder lang anhaltende Rückenschmerzen; der Schmerz eines osteoporotischen Bruches kann den Schmerz  einer Geburt übersteigen; bei den oben genannten Risikofaktoren. Bei einer Größenabnahme von mehr als 4 cm ggü. Ihrer früheren Größe. Bei ungewollter Gewichtsabnahme von mehr als 10 Prozent.


Die Knochendichtemessung = Osteodensitometrie
misst die  Durchlässigkeit des Knochens für Röntgenstrahlen. Damit kann eine frühe Risikoabschätzung durchgeführt werden. Die Methode mittels DXA stellt nur eine geringe Strahlenbelastung dar.

Als Osteoporose bezeichnet man das Ergebnis, wenn die Knochendichte mehr als 2,5 Standardabweichungen vom durchschnittlichen Messwert gesunder, 30jähriger Frauen abweicht (T-Score <-2,5 SD). Der T-Score-Wert für den Schenkelhals ist am wichtigsten.
Zwischen -1 und -2,5 wird von grenzwertiger Knochendichte gesprochen (Osteopenie).

Für Frauen mit Osteoporose sind als Therapie folgende Maßnahmen gut geeignet:
Ein regelmäßiges Bewegungstraining; dieses sollte, wenn möglich, vier bis fünf Mal pro Woche erfolgen und eine halbe Stunde pro Tag überschreiten. Dabei sind vor allem Übungen wichtig, die gegen einen Widerstand arbeiten, zum Beispiel ein Training mit kleinen Gewichten oder einem Gummiband. Walken, sogar Spazierengehen und Tanzen sowie Treppensteigen sind ebenfalls gut.
Gleichzeitig ist ein regelmäßiges Gleichgewichtstraining zur Vorbeugung gegen Stürze von Vorteil; auch solche Übungen sollten im Training regelmäßig eingebaut werden. Eine Sturzvermeidung kann auch durch das Entfernen von Teppichen in der Wohnung begünstigt werden.
Viele Gruppen vor Ort, z.B. Turnvereine und Volkshochschulen, bieten entsprechende Kurse und Veranstaltungen bereits an.

Eine calcium- und Vitamin-D-reiche Kost (Milch, Schnittkäse, calciumreiches Mineralwasser, Brokkoli und andere Gemüsesorten, z.B. Lauch, Fenchel, Kohl) beziehungsweise ergänzend auch entsprechende Tabletten in einer Dosierung von täglich und mindestens 1000 (!) IE Vitamin D. (zur Information über Vitamin D: s. dort Blogartikel).
Calcium wird außerdem in der Regel über die Nahrung genügend aufgenommen bei regelmäßigem Genuss von Milch und Milchprodukten. Eine regelmäßige zusätzliche Calciumzufuhr halte ich daher nur bei Laktoseunverträglichkeit für erforderlich. Dahin geht auch der allgemeine wissenschaftlich begründete Trend.
Weiterhin sollte die Ernährung phosphatarm sein (Fleisch, Wurst, Schmelzkäse, Softdrinks, Cola; auf den Lebensmitteln als Zusatzstoff gekennzeichnet) erfolgen.

Gewicht
Der Body-Mass-Index sollte über 20 liegen, es sollte also kein Untergewicht bestehen. Frauen (und auch Männer!) mit Untergewicht bekommen leichter Osteoporose.

Wie wird die Osteoporose medikamentös behandelt?
Dabei kommen am ehesten die sogenannten Bisphosphonate in Frage, z.B. Alendronat, Risedronat. Beide hemmen den Knochenabbau. Sie sind beide als Tablette zur einmal täglichen Therapie oder auch als Wochentablette einmal wöchentlich erhältlich.
Beide müssen am Morgen nüchtern eingenommen werden, in aufrechter Haltung mit einem großen Glas Wasser, eine halbe Stunde vor dem Frühstück. Denn als Nebenwirkungen können zum Beispiel Sodbrennen und Magen-Darmbeschwerden auftreten.
Für Patienten, bei denen die Einnahme von Alendronat oder Risedronat aufgrund von Unverträglichkeiten nicht möglich ist, gibt es auch eine Tablette, die nur einmal im Monat eingenommen werden muss, oder Ampullen, die einmal im Viertel- oder Halbjahr gespritzt werden können. Dies erfolgt dann meistens beim Orthopäden.

Ein anderes Mittel, das ebenfalls den Knochenabbau aufhält, ist Raloxifen (Evista). Das Mittel ist noch teurer als die Bisphosphonate, und wird einmal täglich eingenommen; es mindert außerdem das Brustkrebsrisiko deutlich. Es ist nicht geeignet für Frauen mit Krampfadern, da die Thrombosegefahr darunter erhöht ist. Weiterhin darf es nur von Frauen nach den Wechseljahren eingenommen werden.

Strontium (z.B. Protelos) hemmt nicht nur den Knochenabbau, sondern  regt gleichzeitig die Knochenneubildung an. Auch dieses Medikament wird einmal täglich eingenommen.

Alle diese Medikamente werden nach bestimmten Leitlinien von Ihrem Arzt in Zusammenarbeit mit den Orthopäden verordnet und sollen mindestens drei bis fünf Jahre lang eingenommen werden.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das Alter und die vorausgegangene Knochendichtemessung. Diese ist in der Regel keine Kassenleistung, jedenfalls wenn sie zur Vorsorge durchgeführt wird (wenn die Frau ihre Knochendichte einfach wissen möchte, z.B. nach den Wechseljahren). Daher muss die Osteodensitometrie (Knochendichtemessung) privat bezahlt werden als sogenannte IGeL-Leistung.
Insgesamt wird nach den neuen Leitlinien auch schon bei niedrigeren T-Scores (= besseren Ergebnissen bei der Knochendichtemessung) eine Behandlung empfohlen, dies in Zusammenschau der Risikofaktoren, und zwar wenn die Wahrscheinlichkeit für eine osteoporotische Fraktur in den nächsten zehn Jahren 30% beträgt. Dafür gibt es Tabellen.

Bei länger als drei Monate andauernden Schmerzen zum Beispiel aufgrund einer osteoporosebedingten Brustwirbelkörperfraktur ist im Einzelfall eine sogenannte Kyphoplastie angezeigt. Dabei wird der eingesunkene Wirbelkörper operaitv mit Fremdmaterial aufgefüllt und stabilisiert.

Inzwischen wurde festgestellt, dass in Deutschland auch etwa 1,3 Millionen Männer ab 50 Jahren von einer Osteoporose betroffen sind. Nur tritt die Osteoporose bei Männern wohl etwas später auf als bei Frauen. Leider ist die Datenlage hier noch nicht so gut wie bei den Frauen, das heißt, es gibt weniger Forschungsergebnisse.. Zur Osteoporosebehandlung bei Männern wird inzwischen auch das Bisphosphonat Alendronsäure empfohlen. Zugelassen ist auch Risendronat als Wochentablette. Zusätzlich sind  natürlich auch hier Calcium und Vitamin D angezeigt.

Die Behandlung mit Parathormon-Abkömmlingen ist in den neuen Leitlinien enthalten (Stand 2008) zur Behandlung der Osteoporose bei Frauen und bei Männern.

Die Knochendichte sollte im Abstand von ein  bis drei Jahren wieder durchgeführt werden. Ein kürzerer Abstand bringt nichts, da sonst der Fortschritt in der Mineralisierung noch nicht darstellbar bzw. erkennbar ist.

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