Schlaf und Schlafapnoe 2011

Holger Woehrle leitet das Schlaflabor des Lungenzentrums von Ulm im Kreiskrankenhaus Blaubeuren. Auf der „Medizin aktuell 2011“ im Neckarforum Esslingen, 21.1.2011, berichtete er folgendes Interessante, was ich gern an meine Patienten weitergeben möchte:

Holger Wöhrle ist Internist mit der Zusatzbezeichnung Somnologie (DGSM). Er hat sich besonders spezialisiert in allen Bereichen der Beatmungs- und Schlafmedizin und arbeitet auch wissenschaftlich in vielen Gremien mit. Außerdem ist er in der Forschung und Weiterentwicklung von schlafmedizinischen Therapiegeräten tätig.

Wenn wir schlafen und dabei „nichts“ tun, regeneriert sich unser Körper und arbeitet.
Die Deutschen schlafen immer kürzer. Der durchschnittliche Deutsche schläft derzeit sieben Stunden pro Nacht. Früher waren das einmal achteinhalb Stunden!
Die verkürzte Schlafdauer hat fatale Folgen:
Das Gewicht steigt eher an (leider), wohl durch vermehrtes Essen. Wer schläft, sündigt nicht!
Untersuchungen belegten, dass die Infektanfälligkeit mit verkürzter Schlafdauer ansteigt. Bei sechs statt neun Stunden Schlaf steigt sie auf das dreifache an für Erkältungskrankheiten!
Die verkürzte Schlafdauer erhöht, auch durch das ansteigende Gewicht, das Diabetesrisiko. Insgesamt werden entzündliche Vorgänge im Körper beschleunigt und verstärkt.
Natürlich ist auch belegt, dass Ärzte, die ein Schlafdefizit z.B. durch Nachtdienste haben, mit einer erhöhten Fehlerrate bei ihrer Therapie zu rechnen haben.
Menschen, die schnarchen, bekommen später leichter eine Gefäßverkalkung, das ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen. Das heißt auch, sie bekommen später leichter einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt. Deshalb ist es so wichtig, das Schnarchen zu behandeln, soweit möglich. Eine Vorstellung beim Hals-Nasen-Ohrenarzt ist zunächst einmal sinnvoll, später eine Vorstellung im Schlaflabor zur Abklärung einer Schlafapnoe.
Die Hälfte aller Patienten mit schwerer Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer) hat subjektiv keine Beschwerden bezüglich des Schlafens. Allerdings leiden viele unter einem hartnäckigen Bluthochdruck, der nur sehr schlecht auf medikamentöse Behandlung anspricht.
Wird die Schlafapnoe dann behandelt, sinkt der Blutdruck auch erst langsam ab im Laufe der nächsten drei bis sechs Monate.
Auch Menschen, die morgens mit einem deutlich erhöhten Blutdruck aufwachen, leiden häufig unter Schlafapnoe und sollten daher auch darauf gecheckt werden.
Patienten, die nachts oder frühmorgens mit einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt eingewiesen werden, haben ebenfalls häufig eine Schlafapnoe. Der gestörte Schlaf weist auf ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hin.
Ein Drittel aller Schlafapnoepatienten ist nicht übergewichtig, sondern schlank.
Frauen mit Schlafapnoe haben nicht wie die Männer eine erhöhte Tagesmüdigkeit, sondern wachen häufig mit Kopfweh bereits auf. Sie leiden vermehrt unter Depressionen, Ein-und Durchschlafstörungen.

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