Diabetische Polyneuropathie

Diabetes kann die Nerven nahezu aller Organe schädigen. Dieser Artikel behandelt vorwiegend den diabetischen Nervenschaden (diabetische Polyneuropathie) der Beine.

Etwa jeder fünfte Diabetiker hat in Deutschland einen diabetischen Nervenschaden, eine sogenannte Polyneuropathie. Das heißt, dass das Gefühl an den Fußsohlen oder vielleicht sogar an den Füßen und Waden nachgelassen hat. Besteht eine solche diabetische Polyneuropathie, ist das Kind sozusagen schon „in den Brunnen“ gefallen. Denn dann sind die Behandlungsmöglichkeiten sehr begrenzt. Wichtig ist also, dieser Folgeerkrankung möglichst frühzeitig vorzubeugen.

Wie entwickelt sich ein diabetischer Nervenschaden?
Eine Nervenschädigung tritt sehr schleichend ein. Wenn der durchschnittliche Blutzucker 180 mg% überschreitet und der Langzeitwert HbA1C > 8 % ist, kommt es zu einer Gefühlsminderung in den Zehen. Warum in den Zehen? Dort sind die Endigungen der längsten Nerven des Körpers, der Beinnerven. Daher sind Menschen mit langen Beinen eher betroffen von der diabetischen Polyneuropathie als Menschen mit kurzen Beinen.
Ein diabetischer Nervenschaden kann sich über Jahrzehnte entwickeln, und zwar lange, bevor bei den –vorwiegend übergewichtigen- Patienten ein Diabetes definitiv festgestellt wird. Manchmal wird tatsächlich zuerst die Polyneuropathie und dann später erst der Diabetes festgestellt oder: Wenn der Diabetes festgestellt wird, sind häufig leider bereits Folgeschäden an den Organen vorhanden.

Wie äußert sich ein diabetischer Nervenschaden, eine Polyneuropathie?
Die Empfindlichkeit für Berührung, Druck, Temperatur, Schmerz und Vibration lässt nach. Das ist für die Patienten zunächst häufig eher angenehm, da sie Schmerzen weniger spüren. Im weiteren Verlauf kann es zu Kribbeln („Ameisenlaufen“) oder „Brennen der Füße“ kommen. Diese Beschwerden treten dann vorwiegend nachts auf und sind eher unangenehm. Durch den Verlust der Schmerzempfindlichkeit können die Füße nicht mehr reflexmäßig auf mechanische Schäden, zum Beispiel Treten auf einen spitzen Gegenstand, reagieren. Es kann zu unbemerkten Wunden an den Fußsohlen kommen Leider tragen viele Diabetiker, da sie einen Druck nicht mehr verspüren, zu enges Schuhwerk, was zu schmerzlosen Druckblasen führen kann. Aus diesen kleinen Verletzungen kann sich sogar ein schmerzloses Fußgeschwür entwickeln. Dies ist verhängnisvoll und kann bei Infektion bis zur Amputation des betroffenen Fußteiles führen.

Wie erkennt der Arzt die diabetische Polyneuropathie?
Der Arzt untersucht regelmäßig, mindestens einmal jährlich, mit einer neurologischen Stimmgabel die Fußknochen und prüft, ob Sie die Vibration spüren. Spüren Sie die Vibration nur noch zur Hälfte (4/8), ist das Risiko für diabetische Fußverletzungen erhöht.

Was hilft bei einem diabetischen Nervenschaden- einer diabetischen Polyneuropathie?
Es gibt bis jetzt leider kein Heilmittel (Stand 2009), das beschädigte Nervenbahnen wieder heilen und wiederherstellen kann.  Für „taube Füße“ gibt es keine Möglichkeit, das Gefühl wieder herzustellen. Das bedeutet im Einzelfall leider für den Betroffenen häufigeine Umschulung oder Schwerbehinderung.
Das Kribbeln und die nächtlichen Schmerzen können mit bestimmten Medikamenten behandelt werden und sprechen relativ gut darauf an. Allerdings müssen dafür die Nebenwirkungen der Medikamente (Antiepileptika, Antidepressiva), die anfangs meistens stärker augesprägt sind, in Kauf genommen werden. Innerhalb von fünf Jahren verliert jedoch jeder zweite Patient seine Kribbelparästhesien. Denn dann sind aufgrund des Fortschreitens der Nervenschädigung seine Nerven komplett zerstört.


Was können Sie selbst tun, um eine diabetische Polyneuropathie zu vermeiden?
Vermeiden Sie unnötige Überlastungen wie zu enge Schuhe, langes Stehen oder sportliche Überlastungen wie zum Beispiel einen Marathonlauf.
Untersuchen Sie regelmäßig, am besten täglich, Ihre Füße und Fußsohlen. Pflegen Sie Ihre Füße und schützen Sie sich vor dem Austrocknen. Schneiden Sie nie selbst an Ihren Füßen herum (zum Beispiel zur Warzen- oder Hornhautbehandlung). Wenn Sie eine Veränderung feststellen, gehen Sie bitte zu Ihren Arzt, damit er diese behandeln kann. Bei Diabetes ist bei bestehenden Nerven- oder Gefäßschäden (leider erst dann, Stand 2009) in Deutschland eine podologische Behandlung auf Krankenkassenkosten möglich. Bei Fußfehlformen sind unter Umständen Schuheinlagen von Vorteil. Das Barfußgehen ist bei einer diabetischen Polyneuropathie strikt untersagt.
Weiterhin unbedingt wichtig: Sorgen Sie für eine möglichst gute Blutzuckereinstellung (s. Artikel „Ernährungsempfehlungen für Diabetes“, „Diabetes, Diabetiker und Sport“, „Triglyzeride: Blutfette im Zaum halten“ usw. im Blog). Ihr Langzeitwert sollte möglichst unter 8% liegen, natürlich ist es noch besser, wenn er unter 7% liegt und gegen 6 strebt.

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