Stress – wie gehen wir damit um?

Zum Thema „Stress“ hielt PD Dr. Volker Busch, von der Universitätsklinik Regensburg am 9.12.2015 einen fesselnden Vortrag im Alten Rathaus, Esslingen.
„Stress“ – den Begriff kennen wir alle. Alltags-Belastungen, chronische und unvorhersehbare, akute, haben wir alle. Kann jemand von uns sagen, dass er keinen „Stress“ hat? Und doch gibt es manche, die scheinen damit besser umgehen zu können als andere. Woran liegt das?
Die Antwort: Manche haben mehr, manche weniger Zugriff auf mögliche Ressourcen, die den Ausgleich zu ihrem Stress schaffen können und sie wieder aufatmen lassen.
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Dazu ein kleiner Exkurs über die fünf Grundbedürfnisse des Menschen. Welche sind das? Laut PD Dr. Busch handelt es sich um fünf Grundbedürfnisse, die weltweit, unter den unterschiedlichsten Völkern, gefunden wurden und nachweisbar sind bei jedem Menschen.
Das Erste ist der Lustgewinn.
Eine Zunahme von Lust, von Freude, wird regelmäßig erzielt durch Essen, Sexualität und Vorlieben (Hobbies). Lust steigert die Produktion von Dopamin (Glückshormon) im Gehirn und führt zu guter Laune, guter Stimmung und Freude. Einmal am Tag sollte man sich einen solchen Dopaminschub gönnen und etwas für sich tun! Tun Sie einmal am Tag etwas, dass Ihnen Freude macht, wo Sie komplett abschalten können und sich nur noch auf dieses Eine konzentrieren.
Überlegen Sie einmal: Was wollten Sie schon immer tun? Was haben Sie früher sehr gerne getan? Diese Vorlieben werden übrigens von vielen stressgeplagten Menschen als erstes aufgegeben. „Dazu habe ich jetzt leider keine Zeit mehr“. Das ist der Anfang des Burn-Out und der Depression. Wer ein Hobbie ausübt, sollte also kein schlechtes Gewissen haben, denn er betreibt eine echte gesunde Vorsorge dagegen! Solche Pausen im Alltag sind überlebenswichtig. In welche Tätigkeit können Sie sich ganz vertiefen, was gibt Ihnen einen „Flow“?
Das Zweite ist der Selbstwertschutz und die Selbstwerterhöhung
Es ist normal und dienst dem Eigenschutz, daß wir unsere Fähigkeiten etwas höher einschätzen, als sie nach objektiven Maßstäben sind. Das verschafft uns den Optimismus, auch schwierige Aufgaben zu meistern und akute und chronische Belastungen zu schultern. Beim anderen sehen wir genau, woran es mangelt. Bei uns selbst sind wir da ein bisschen großzügiger. Das hat auch Vorteile und ist sozusagen „eingebaut“.
Das Dritte sind soziale Kontakte.
Gute Beziehungen sind wichtig zum Überleben im Alltag. Der Wegfall von inneren Bindungen/Änderung/Trennung ist ein immenser Stress für den Organismus. Zum Beispiel stellt der Tod des Ehepartners eine starke Belastung für den anderen Partner dar. Auch Hochzeit oder Geburt eines Kindes zum Beispiel kann durch die Änderung der Vorbedingungen vorübergehend eine Stress-Belastung sein. Wohl dem, der dann Familie und gute Freunde hat und Optimismus!
Das Vierte sind Autonomie und Kontrolle.
Ein Beispiel: Bei Angestellten, die einem Chef unterstehen, der ihnen viel abverlangt, aber wenig Freiraum einräumt, ist die Burnout-Gefährdung deutlich höher. Wenn die Anforderungen hoch sind, aber wenig kreative Einflussmöglichkeiten bestehen, gibt es auch wenig Autonomie und wenig Kontrolle über das eigene Handeln. Dasselbe gilt auch für den privaten Bereich.
Das Fünfte sind Sinn und Orientierung.
Habe ich feste Ziele? Dann habe ich in der Regel auch den Willen, eine Aufgabe zu tun und auch auf längere Sicht durchzuhalten. Wenn ich weiß, wofür ich arbeite (zum Beispiel für die Familie etc.), kann ich auch widrige Umstände überstehen. Dazu gehören auch Menschen, die einen Glauben haben. Diese halten leichter durch und geben nicht so schnell auf, weil sie ein Ziel haben. „Wer ein WARUM zum Leben hat, erträgt fast jedes WIE“ (Friedrich Nietzsche, aufgenommen von Viktor Frankl in seiner Logotherapie).

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Sind diese fünf Grundbedürfnisse erfüllt, tut sich der Einzelne leichter bei der Stressbewältigung. Das heißt also: Nur wenn die Anforderungen im Alltag die Ressourcen, die der Einzelne hat, übersteigen, ergibt sich für ihn eine Stress-Situation. Ein chronischer Stress-Zustand kann zu einem sogenannten Burn-Out führen. Dann geht gar nichts mehr, und derjenige „funktioniert“ nicht mehr. Die Erholung/Behandlung eines solchen schlimmen Zustandes kann dann sehr lange dauern.
Achten Sie daher im Alltag auf die –möglichst tägliche- Erfüllung Ihrer psychischen Grundbedürfnisse. Einmal am Tag Freude empfinden wirkt da vorbeugend.
Haben Sie Stress? Ja, natürlich, aber ich habe auch meine Ressourcen! Damit kann ich (über-)leben und gesund bleiben.


© Dr. med. Sieglind Zehnle, Ruiter Str. 7, 73760 Ostfildern

Reisediarrhoe, Reisedurchfall

Eine Nebenwirkung auf Reisen ist, dass sich häufig der Stuhlgang verändert. Dies tritt auf auch durch die andere Ernährung auf Reisen oder durch einen ungewohnten Tagesrhythmus.
Ein Reisedurchfall (Reisediarrhoe) ist durch einen sehr dünnen oder wässrigen Stuhlgang gekennzeichnet, der häufiger als 3 x täglich, also mindestens 4 x täglich, auftritt. Dieser Reisedurchfall kann auch noch in den ersten Tagen nach der Rückkehr auftreten, normalerweise aber während der Reise selbst.
Ein Reisedurchfall ist meistens bakteriell bedingt. Von einem unkomplizierten Reisedurchfall spricht man, wenn kein Fieber oder schleimig-blutige Stühle auftreten. Da die Reisediarrhoe dann häufig von selbst wieder aufhört, wird bei einem unkomplizierten Reisedurchfall nach Rückkehr zunächst keine Stuhluntersuchung empfohlen, sondern lediglich Flüssigkeitsersatz und Schonung.

Es gibt käufliche Elektrolytlösungen in den Apotheken zu kaufen. Diese kann man mitnehmen, wenn man auf Reisen zu Durchfall neigt. Man kann allerdings sich eine Elektrolytlösung auch selbst herstellen. Dazu muss man lediglich ein Päckchen Backpulver auf die Reise mitnehmen.

Rezept: Ein TL Kochsalz, zwei EL Zucker, ½ TL Backpulver, in einen Liter mit abgekochtem Wasser ein rühren-fertig ist die Elektrolytlösung!

Medikamente für unkomplizierten Reisedurchfall: Eventuell Rifaximin, Loperamid nach Rücksprache mit dem Arzt.
Tannacomp; Loperamid (im Notfall); homöopathisch: Okoubaka, Veratrum album in niedr. Potenzen.

Der komplizierte Reisedurchfall ist durch auftretendes Fieber oder schleimig-blutige Stühle gekennzeichnet. Am besten sollten Sie in diesen Fällen einen Arzt kontaktieren. Je nach Verdachtsdiagnose oder nach Stuhlergebnis (noch besser) wird diese Arzt des Durchfalls auch mit einem Antibiotikum behandelt (Azithromycin, Ciprofloxacin). Das neue Antibiotikum Rifaximin, welches nur auf den Darm wirkt und nicht resorbiert wird, ist kontraindiziert bei Fieber und blutigen Stühlen.

Vorbeugend können Probiotika genommen werden. Es kann auch eine Schluckimpfung mit Dukoral (Choleraimpfstoff) gemacht werden, zwei Beutel im Abstand von 1-6 Wochen. Dies wirkt zu ca. 50% gegen enterotoxische und enteroaggressive E. coli, der häufigste Erreger des Reisedurchfalls.

Eine Typhusimpfung ist bei Reisen nach Südostasien, Afrika und Mittel-Südamerika sinnvoll.

© Dr.med. Sieglind Zehnle, Ruiter Straße 7, 73760 Ostfildern

Alkohol als Problemlöser?

Der 54jährige Mann versichert mir treuherzig: „ Frau Doktor, mehr als drei Bier pro Abend trink ich nie, und ich hab es schon mal eine ganze Woche ohne geschafft!”
Er habe einen stressigen Job, Termine ohne Ende. Der Chef mache Druck. Im Geschäft seien es immer weniger Leute, die immer mehr Arbeit machen.
Leider kann dieser Patient ohne sein abendliches Bier nicht mehr einschlafen, und schnell wird daraus eine Gewohnheit. In der Regel findet sich immer eine Ausrede, um den Alkoholgenuss zu begründen. Oft passiert das auch heimlich. Alkoholiker sind gute Schauspieler, die nach außen hin gut mitmachen und mit allem einverstanden sind, was Partner und/oder Arzt mit ihnen besprechen. Dabei wird hin und wieder auch etwas geflunkert oder untertrieben. Ein gerötetes Gesicht oder Geruch nach Alkohol, häufig schon am frühen Morgen, sprechen eine andere Sprache. Depression und vermehrte Angstzustände können auftreten, aber auch körperliche Anzeichen wie Sodbrennen und Magenschmerzen, vermehrte Stürze.

Wo ist die Grenze?
Bei Frauen liegt die Grenze bei etwa einem Glas Alkohol am Tag, also ca. 12 g. Für gesunde erwachsene Männer liegt diese Grenze bei 24 g Alkohol pro Tag, d.h. etwa zwei Gläser. Wenn Sie als Frau mehr als 0,1 l Wein oder Sekt, mehr als ein viertel Liter Bier oder 4 cl Schnaps pro Tag trinken, bewegen Sie sich bereits in einem gesundheitlich riskanten Bereich. Für Männer gilt die doppelte Menge, also ein halber Liter Bier pro Tag oder ein vierte Liter Wein pro Tag als Grenze.
Als alkoholabhängig gilt, wer mindestens drei von sechs Kriterien erfüllt: ein starkes Verlangen nach Alkohol; eine verminderte Kontrollfähigkeit; körperliche Entzugssymptome; die Ausbildung einer Toleranz-immer höhere Dosen werden erforderlich; das Vernachlässigen anderer Interessen zugunsten des Alkohols. Die Fortführung des Konsums trotz negativer körperlicher, sozialer oder sonstiger Folgen. Der Tag wird nach dem Alkoholkomsum ausgerichtet.
Brauchen Sie abends Ihr Bier oder Glas Wein regelmäßig zum „Runterkommen“? Damit Sie schlafen können? Können Sie „nein“ sagen, auch im Freundeskreis, wenn Alkohol angeboten wird, oder nach einem Gläschen auch mal Schluss machen?

Testfragen: Was tun Sie, um zu entspannen und besser mit Ihrem Stress umgehen zu können?
Trinken Sie gelegentlich ein Glas Wein oder Bier? Wie häufig in der Woche? Wieviel Bier schaffen Sie maximal an einem Abend/auf einmal zu trinken?
Falls Sie hier selbst ein Problem sehen, vereinbaren Sie bitte einen Termin bei Ihrem Hausarzt. Es gibt auch in jedem Landkreis eine Suchtstelle, wo Sie sich beraten lassen können.

Wie kann der Alkoholismus behandelt werden?
1) Ehrlich sein und es vor sich selbst zugeben
2) Die Hilfe von anderen annehmen . Alkohol ist kein Problemlöser. Sie schaffen sich dadurch nur ein neues – größeres – Problem  an den Hals.

Die Unterstützung der Familie, von Freunden und Hausarzt ist dabei unumgänglich.
Weitere Infos finden sich unter z.B. kenn-dein-limit.de.

© Dr.med. Sieglind Zehnle, Ruiter Straße 7, 73760 Ostfildern

Vitamin B12 – das Nervenvitamin

Vitamin B12 ist ein wasserlösliches Vitamin, das im normalen Organismus durch die Nahrung aufgenommen wird.

Wofür ist Vitamin B12 wichtig?

Vitamin B12 ist wichtig für u.a. die Blutbildung, für das Nervensystem und für die Schleimhäute.

Der tägliche B12-Bedarf wird vor allem über tierische Lebensmittel (Fleisch, Eier, Milch, Fisch) gedeckt. Pflanzliche Lebensmittel enthalten nahezu kein Vitamin B12.

Im Normalfall wird im Magen der Intrinsic Faktor in den sogenannten Magen-Belegzellen gebildet. Der zwischen Vitamin B12 (Extrinsic Faktor) und dem Intrinsic Faktors aus dem Magen gebildete Komplex wird dann aktiv im Dünndarm (Ileum) aufgenommen bzw. resorbiert, falls alles gut funktioniert.

In der Leber wird die Vorstufe (Cyanocobalamin) zu den aktiven Wirkformen umgewandelt. Diese aktiven Wirkstoffe sind wichtig in der Eiweißsynthese, an der DNA-Synthese und an allen wichtigen Zell-und Wachstumsprozessen. Vitamin B12 ergänzt sich in der Wirkung mit Folsäure. Beide spielen eine wichtige Rolle bei der Bildung von Myelinscheiden im Nervensystem.

Wann kommt es zu einem Vitamin-B12-Mangel?

Ein B12-Mangel kann entstehen bei rein pflanzlicher – z.B. veganer – Ernährung. Bei Vegetariern kommt es in der Regel nicht zu einem Vitamin-B12-Mangel, da durch Milchprodukte, Eier und Fisch zwar reduzierte, aber noch ausreichende Mengen an Vitamin B12 aufgenommen werden. Kontrazeptiva (Pille), Metformin (Diabetiker) und diverse andere Medikamente können eine B12-Aufnahme im Darm behindern.

Bei erhöhtem Alkoholkonsum kann die Magen-Darm-Schleimhaut geschädigt werden; es kommt zu einer chronischen Magenentzündung; dadurch entstehen ein Mangel an Intrinsic-Faktor und ein Vitamin-B12-Mangel. Ähnliches passiert bei einer sogenannten Helicobacter-pylori-Infektion der Magenschleimhaut. Diese kann allerdings gut behandelt werden mit Antibiotika und ist dann in der Regel reversibel.

Eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut kann autoimmunbedingt durch Antikörper gegen Belegzellen auch ein Mangel an Intrinsic-Faktor entstehen, was zu einem ähnlichen Blutbild wie bei einem Alkoholiker führt und ebenfalls einem Vitamin-B12-Mangel. Diese Patienten haben häufig auch eine chronische Autoimmunentzündung der Schilddrüse (Hashimoto-Thyreoiditis).

Eine Magenoperation (Fehlen des Intrinsic-Faktors) oder Dünndarmoperation (fehlende Aufnahme/Resorption) kann einen Vitamin-B12-Mangel auslösen.

Besonders gravierend sind die Folgen eines B12-Mangels in der Schwangerschaft, falls über die Nahrung nicht genug B12 aufgenommen wird, und in der Stillzeit. Erhält ein Säugling über die Muttermilch zu wenig Vitamin B12, drohen teilweise irreversible Entwicklungsschäden.

Was sind die Symptome eines Vitamin-B12-Mangels?

Es kommt zu depressiven Verstimmungen und vermehrter Reizbarkeit. Das Gedächtnis verschlechtert sich, es tritt eine Muskelschwäche auf und allgemeine Schwäche.

Eine Anämie (Blutarmut) tritt auf; die Betroffenen sehen blass und müde aus.

In fortgeschrittenen Fällen – häufig erst nach Jahren – treten ganz allmählich, also schleichend beginnend, brennende Füße bis Unter- oder Oberschenkel auf.

Da immer mehr Menschen, vor allem junge, sich fleischlos ernähren, sehen wir Hausärzte dieses Krankheitsbild wieder häufiger in der Sprechstunde.

Wie kann ein Vitamin-B12-Mangel behandelt werden?

Am raschesten erfolgt die erste Aufsättigung durch Vitamin-B12-Ampullen. Bei einem nachgewiesenen B12-Mangel ist das eine Kassenleistung. Häufig werden B12-Ampullen auch als Aufbauspritzen verabreicht, das ist dann eine IGeL.

Bei Menschen mit einer Autoimmun-Gastritis (Magenschleimhautentzündung) und chronischem B12-Mangel mit Resorptionsstörung (z.B. nach einer Magen-OP) ist lebenslang auf einen Vitamin-B12-Ersatz (Spritzen) in vom Arzt überwachten Abständen zu achten. Ansonsten kann u.a. eine Polyneuropathie (Nervenschaden) auftreten bzw. sich verschlechtern.

Es gibt Vitamin-B12-Präparate in den Apotheken zu kaufen. Zu achten ist auf eine genügend hohe Dosierung, also 100-1000 ug/Tag. Häufig handelt es sich auch um Mischpräparate mit Folsäure. Es ist auch eine Vitamin-B12-haltige Zahnpaste z. B. in Reformhäusern erhältlich.

© Dr. med. Sieglind Zehnle, Ruiter Str. 7, 73760 Ostfildern

Vegane Ernährung – ist sie wirklich so gesund?

Im Unterschied zur vegaterischen Kost, welche auch Milchprodukte, Eier und Fisch beinhaltet (ovo-lacto-vegetarische Kost), besteht die vegane Ernährung nur aus pflanzlichen Stoffen und Produkten. Alle tierischen Nahrungsmittel werden strikt gemieden.

Gibt es in der Wissenschaft Hinweise darauf, dass die vegane Ernährung die optimale ist? Bisher existieren nur wenige Studien über diese Art der Kost. Grundsätzlich kann eine fleischarme Kost, die pflanzlich betont ist und wenig Fett enthält, das Krebsrisiko für bestimmte Krebsarten wie Dickdarm-, Brust-und Prostatakrebs senken. Es fehlen aber wissenschaftlich eindeutige Belege bisher.

Umso mehr finden sich im Internet Darstellungen von zunehmend mehr Personen, welche ihre eigenen positiven Erfahrungen mit der veganen Kost veröffentlichen. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass es sich um subjektive Berichte und Einzelerfahrungen handelt. Das heißt, was dem einen hilft, kann dem anderen unter Umständen schaden.

Worauf muss bei einer veganen Kost geachtet werden?

Regelmäßig. das heißt ungefähr einmal jährlich, sollten beim Arzt kontrolliert werden:

Vitamin B12: Dieses Vitamin findet sich vorwiegend in tierischen Produkten. Bei einer rein veganen Kost ohne Nahrungsergänzungsmittel (Vitamin B12 als Kapsel oder Zahnpasta) ist ein niedriger B12-Spiegel zu erwarten. Die Folgen können u.a. sein: Müdigkeit, Depression, Haarausfall, Veränderungen des Blutbildes, Nervenschäden.

Kalzium: Mit den fehlenden Milchprodukten fehlt eine wichtige Kalziumquelle. Eine vegane Kost ist daher für Frauen mit erniedriger Knochendichte weniger geeignet. Gefährdet sind insbesondere Patientinnen und Patienten, die aufgrund von Vorerkrankungen wie Asthma oder Rheuma oder einer Immunschwäche dauerhaft Cortisonpräparate benötigen, oder aus anderen Gründen bereits eine Osteoporose haben. Ansonsten muss das Kalzium auch zusätzlich als Tablette von außen zugeführt werden, mindestens 500 mg pro Tag werden empfohlen.

Eisen: Das Eisen aus Pflanzenstoffen wird schlechter resorbiert vom Körper als das Eisen aus tierischen Lebensmitteln. Getreide, Soja und Hülsenfrüchte hemmen die Eisenaufnahme im Dünndarm. Gefährdet sind vor allem Frauen mit starken Regelblutungen. Veganerinnen sollten aufgrund der erhöhten Anämiegefährdung nicht regelmäßig Blut spenden. Um die Eisenaufnahme zu steigern, empfiehlt es sich für Veganer, Kaffee, Tee und Kakao nur zwischen den Mahlzeiten zu trinken.

Eiweiß: Tierisches Eiweiß hat in der Regel eine höhere Wertigkeit als pflanzliches Eiweiß. Bei erhöhter Infektanfälligkeit kann ein Eiweißmangel vorliegen.

Omega-3-Fettsäuren: Bei veganer Ernährung fällt Fisch als Lieferant weg. Leinöl ein EL pro Tag und Walnüsse (30-60g), sowie Leinsamen sind gute Lieferanten der Alpha-Linolensäure (ALA), sowie Tofu und Tempeh. Zu beachten vor allem auch bei Patienten mit Fettstoffwechselstörungen und deren Folgen.

Jod: Es sollte nur jodiertes Speisesalz verwendet werden,da Fisch als Jodlieferant entfällt. Meer-, Himalajasalz und Sojasauce sind nicht jodiert). Tagesempfehlung: 200 ug. Ansonsten kann bei geringer Jodzufuhr durch pflanzliche Produkte wie Kohl, Sojabohnen und Süßkartoffeln eine Kropf (= Struma)bildung gefördert werden.

Zink: Zink ist wichtig für die Haut, die Haare und die Abwehr.

Vitamin D ist vor allem in tierischen Produkten enthalten (verlinken mit Artikel dort).

Diese Stoffe (Vitamin B12, Eisen, Eiweiß Jod, Zink, Vitamin D) sollten regelmäßig im Blut gecheckt werden.

Fazit: Die gesundheitlichen Vorteile einer vegetarischen Ernährung sind unbestritten. Bei veganer Ernährung muss die Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen gewährleistet und regelmäßig überprüft werden.

Wichtige Internetseiten: Vegetarierbund (vebu.de), Deutsche Gesellschaft für Ernährung (dge.de), Albert-Schweizer-Stiftung (albert-schweitzer-stiftung.de)

Impfungen für Last-Minute-Reisende

Viele Reisenden entscheiden sich spontan und kurzfristig, zum Beispiel für eine Reise nach Südostasien oder Mittel- oder Südamerika oder Afrika.

Für alle Reisenden in die o.g. Gebiete wird eine Grundimpfung gegen Tollwut empfohlen. Neu ist dabei laut Prof. Dr. Herwig Kollaritsch (Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin, Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie, Medizinische Universität Wien) dass eine Impfung am Tag 0, 3 und 7 einen genauso guten bzw. sogar höheren Impfschutz nach 14 Tagen gibt wie das herkömmliche Impfschema (Tag 0,7, 21). Das letztere Impfschema ist für viele Reisenden kurz vor der geplanten Reise oder aus geschäftlichen Gründen so nicht durchführbar.

Das Impfschema mit Tag 0, 3 und 7 ist allerdings noch nicht von den Impf-Firmen so zugelassen, kann aber nach Absprache mit Ihrem Hausarzt durchgeführt werden.
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In jedem Fall ist die Tollwutimpfung eine IGeL-Leistung. Sie können sich bei Ihrer Kasse erkundigen, ob die Impfkosten teilweise oder ganz übernommen werden. Bei geschäftlichen Reisen ist der Arbeitgeber für die Kosten zuständig. Bei Reisen in die Tropen ist der Arbeitgeber verpflichtet, vorher eine arbeitsmedizinische Beratung und Impfberatung für den Geschäftsreisenden durchzuführen und entsprechend zu bezahlen.

Parallel zur Tollwutimpfung kann die Impfung gegen Japanische Encephalitis. als Schnellimpfschema am Tag 0 und 7 nach Absprache durchgeführt werden. Sie ergibt einen guten Impfschutz nach 14 Tagen und kann parallel zur Tollwutimpfung geimpft werden.

Als weitere Last-Minute-Impfung z.B. nach Südostasien wichtig: die Impfung gegen Hepatitis A. Auch hier wird 14 Tage nach Impfung ein ausreichender Antikörpertiter erreicht. Grundsätzlich gilt natürlich trotzdem, in den entsprechenden Ländern keine länger warm gehaltenen Speisen sowie Wasser unklarer Herkunft zu sich zu nehmen.

Auch die Typhusimpfung kann kurz vor der Reise durchgeführt werden, falls ein entsprechendes Risiko besteht. Fragen Sie am besten Ihren Hausarzt!

© Dr.med. Sieglind Zehnle, Hausarzt-Praxis Ostfildern-Scharnhausen, Ruiter Str. 7, 73760 Ostfildern

Asthma bronchiale

Beim Asthma bronchiale handelt es sich um eine chronische Entzündung der Atemwege. Die Ursachen sind vielfältig. Asthma kommt häufig bei Allergikern vor. Symptome sind vor allem nächtliche Atemnot und Brustdruck. Patienten klagen auch über Luftnot und Pfeifen der Bronchien bei sportlichen Betätigungen, Husten steht eher im Hintergrund.

Außer bei Heuschnupfen kommt Asthma häufig vor zusammen mit Neurodermitis, chronische Nebenhöhlenentzündung, mit Refluxbeschwerden (Sodbrennen), Schlafapnoe. Auch Depression und Angst treten gehäuft bei Asthmatikern auf. Diese sind manchmal die Ursache, manchmal die Folgen des Asthmas.

Homöopathische Mittel für das Asthma gibt es leider nicht. Auch pflanzliche Mittel haben oft wenig Effekt, eben weil es sich um eine chronische Entzündung der Bronchien handelt. Diese verkrampfen sich leichter und produzieren auch mehr Schleim. Asthmatiker entwickeln bei grippalen Infekten häufig vermehrt Atemnot. Manche können dann nur noch im Sitzen schlafen, was wiederum Stress und Angst hervorruft.

Asthma wird verschlechtert durch Rauchen, da die Bronchien dann zusätzlich geschädigt werden.

Wie wird Asthma behandelt? Da es sich um eine entzündliche Erkrankung handelt, reagieren die Betroffenen auf inhalative Kortikosteroide (Kortisonsprays) sehr gut. Die Atemnot nimmt ab. Es gibt noch zusätzliche Medikamente, welche die Bronchien erweitern und häufig zusammen mit den Kortisonsprays von Hausärzten und Lungenärzten gegeben werden. Ein Akutspray sollte jeder Asthmatiker besitzen.

Außer den o.g. Medikamenten kommen noch eine Reihe weiterer in Betracht. Inzwischen kann auch Spiriva (Tiotropiumbromid) bei leichtem, mittlerem und schwerem Asthma zusätzlich gegeben werden, um die Cortisondosis einzusparen. Ob das inhalative Kortikosteroid immer, also rund um das Jahr, genommen werden muss, ist im Einzelfall zu klären. Die Kassen bieten für Asthmapatienten ein Chronikerprogramm an, welches Hausärzte und Lungenärzte durchführen können. Auch eine Asthmaschulung ist im Rahmen des Chronikerprogramms möglich.