Fibromyalgie ist zuallererst einmal eine Ausschluss-Diagnose. Die Patienten klagen über chronische Muskel- und Rückenschmerzen, ohne dass eine Entzündungsreaktion bei der Blutuntersuchung gefunden wird. Beim Abtasten findet der Arzt typische druckschmerzhafte Triggerpunkte in der Muskulatur, die sich nicht nur auf die obere, sondern auf die untere Körperhälfte beziehen. Das ist der Unterschied zu einfachen Verspannungen, zum Beispiel im Nackenbereich, die bei Personen am PC sehr häufig vorkommen. Auch subfebrile Temperaturen (< 38,5°) können dabei auftreten.

Nach Abklärung von sonstigen orthopädischen und rheumatischen Erkrankungen bleibt die Fibromyalgie als Verdachtsdiagnose bestehen. Bewiesen werden kann sie nicht, dafür gibt es noch keinen speziellen Nachweis, so wie beim Rheuma zum Beispiel.

Die Patienten, häufig sind es Frauen, klagen auch über begleitende Erschöpfungszustände und eine Depressionsneigung. Meiner Erfahrung nach tritt eine Fibromyalgie häufig in Begleitung von Schilddrüsenerkrankungen (Autoimmunthyreopathien, Schilddrüsenunterfunktion) auf.
Die Stärke der jeweiligen Schmerzempfindung kann beim Arzt mit einer VAS (visuellen Analogskala) gemessen werden.
Zur Behandlung der Fibromyalgie kommen in Frage:
- regelmäßige Bewegung (nicht zu viel und nicht zu wenig) mehrmals die Woche, z.B. 3 x 40 Minuten Walken plus 1 x wöchentlich Rückenschule
- nach Erfahrung von Betroffenen eine Ernährungsumstellung (s. dazu www.fm-selbsthilfe-rmk.info): eiweißarme Nahrung (dabei müssen nur bestimmte Eiweiße vermieden werden, andere können gegessen werden); Menschen mit Fibromyalgie haben erniedrige Plasmakonzentrationen von Valin, Leucin und Isoleucin. Diese Aminosäuren sind zum Beispiel in apothekenpflichtigen Eiweißpräparaten erhältlich. Weiterhin ist die Einnahme von Calcium und Vitamin D empfehlenswert. Unter Umständen ist auch eine Enzymtherapie hilfreich. Bitte besprechen Sie das mit Ihrem Hausarzt.

View: Patienteninformation über Fibromyalgie (Universitätsklinikum Heidelberg)
Fibromyalgie Infoquellen im Internet 
Fibromyalgie (netdoktor)

Eine Gewichtsreduzierung kann mit homöopathischen Mitteln und Schüssler Salzen unterstützt werden.

Chelidonium (Schöllkraut) D12 2 x täglich 5 Glob. - Lebermittel
Hepar sulfuris D12 2 x täglich 5 Glob. - Lebermittel
Berberis (Berberitze) D12 2 x täglich 5 Glob. - Leber- und Blasenmittel
Calcium carbonicum D12 2 x täglich 5 Glob. - Stoffwechsel verlangsamt
Madar (als Tabletten und Tropfen frei verkäuflich): nach Anweisung

Vorgehen mit Schüssler Salzen:
Vor dem Frühstück: Kalium phosphoricum D6 (Nr. 5)
Vor dem Mittagessen: Natrium sulforicum D6 (Nr. 10)
Vor dem Abendessen: Natrium phosphoricum D6 (Nr. 9)
Von jedem Mittel täglich 5 Tabletten in gut warmem Wasser auflösen und schluckweise trinken.

View: Tipps zu einer leichteren Gewichtsabnahme (MDR)
Abnehmen mit Schüssler Salzen

Wadenkrämpfe sind weit verbreitet. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Bei sporadischen Wadenkrämpfen, die harmlos sind, ist die neurologische Untersuchung beim Hausarzt oder Neurologen unauffällig. Wadenkrämpfe treten tatsächlich auch gehäuft bei „Krampfadern“ auf. Sind Wadenkrämpfe dagegen Symptom von schwereren Erkrankungen, umfassen sie mehr als ein bis zwei Muskelgruppen und halten auch länger an. Patienten mit schlechter Nieren- und Leberfunktion, Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion oder Nebennieren-Erkrankungen führt zur Übererregbarkeit der Muskeln.
Treten zusätzlich Kribbelgefühle oder ungewohnte Berührungsstörungen auf, kann es sich um neurologische Erkrankungen handeln. In diesem Fall sollten Sie baldmöglichst einen Arzt aufsuchen.
Im Moment des Wadenkrampfes ist es am besten, den Muskel passiv zu dehnen, was die meisten Menschen reflexmäßig richtig machen. Wenn solche Wadenkrämpfe regelmäßig auftreten, macht eine regelmäßige vorsorgliche Einnahme eines Medikamentes einen Sinn.
In der Schwangerschaft hilft oft Magnesium als Tablette sowie Kalzium. Allerdings ist bei anderen Patienten in Untersuchungen kein Nutzen einer Magnesiumeinnahme auf die Krampfneigung nachgewiesen worden.
Alternativ kann Chinin (z.B. Limptar) in einer Dosis bis 400 mg/Tag eingenommen werden (1-2 Tabletten). Dieses Medikament kann allerdings auch Nebenwirkungen haben und sollte daher auch nicht länger als ca.6- 8 Wochen dauerhaft eingenommen werden.
Nach einer neueren Studie gelten auch Vitamin B-Komplex-Mittel als beruhigend für die Muskulatur.

View: Kampf dem Wadenkrampf
Wadenkrämpfe! Was tun?
Wadenkrämpfe
Kampf dem Wadenkrampf - Von B-Vitaminen bis Botulinumtoxin gibt es wirksame Therapien

Wie wirkt sich der Rauch-Stopp positiv auf Ihre Gesundheit aus?
Nach 20 Minuten:
Die Körpertemperatur normalisiert sich. Die Herzschlagfrequenz und der Blutdruck gleichen sich dem eines Nichtrauchers an. (Raucher haben häufig einen zu hohen Ruhepuls.)
Nach 24 Stunden:
Der Kohlenmonoxid-Gehalt im Blut sinkt. Die Blutgefäße und Organe bekommen insgesamt mehr Sauerstoff. Sie fühlen sich fitter und leistungsstärker.
Nach 1 bis 2 Tagen:
Geruchs- und Geschmackssinn verbessern sich. Auf einmal können Sie wieder mehr schmecken! Das Atmen fällt leichter. Das Herzinfarkt-Risiko sinkt.
Nach 3 bis 9 Monaten:
Der Raucherhusten geht merklich zurück. Der Kreislauf stabilisiert sich, das Immunsystem wird gestärkt. Die Lungenfunktion wird besser.
Nach 1 bis 2 Jahren:
Das Herzinfarkt-Risiko geht um die Hälfte zurück.
Nach 10 Jahren:
Das Lungenkrebs-Risiko ist halbiert.
Nach 15 Jahren:
Das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall gleicht dem von Nichtrauchern.

 

Kreuzschmerzen sind Schmerzen oder Unwohlsein im Bereich des Rückens vom unteren Rippenbogen bis zum rückwärtigen Ansatz der Oberschenkel. Man unterscheidet akute Kreuzschmerzen (Schmerzperioden von weniger als 12 (!) Wochen Dauer), anhaltende (ab vier Wochen Dauer) und chronische Kreuzschmerzen (mehr als 12 Wochen Dauer). Diese Definition ist in den Leitlinien der DEGAM (Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin) enthalten.

Akute Rückenschmerzen also dauern wesentlich länger, als gemeinhin angenommen wird, und können dementsprechend erst einmal folgendermaßen behandelt werden:


Bettruhe sollte vermieden werden.
Die körperliche Aktivität sollte sobald als möglich wieder aufgenommen werden. Zunächst sind einfache Schmerzmittel angezeigt (z.B. Paracetamol, alternativ auch Ibuprofen oder Diclofenac). Zur Nacht kann ein muskelentspannendes Mittel (z.B. Tetrazepam) helfen. Zusätzlich kann örtlich angewandte Wärme Linderung bringen (Heizkissen, Kirschkernsäckchen, Rotlicht, Wärmflasche, industriell hergestellte Wärmekissen). Optional kann durch geübte Personen eine Manipulationsbehandlung (Chirotherapie o.ä.) erfolgen. (Dies ist nicht immer auf Kassenkosten möglich.)
Bei Ausstrahlung der Beschwerden in eines oder beide Beine bis unterhalb des Knies sind Injektionen von Lokalanästhetika oder Kortisonpräparaten um die Nervenwurzel herum möglicherweise sinnvoll.
Schmerzspritzen mit Diclofenac oder ähnlichen Substanzen sollten, da schwere allergische Nebenwirkungen auftreten können, nicht mehr durchgeführt werden.

80 Prozent aller Kreuzschmerzen sind unkompliziert und klingen innerhalb von vier Wochen ab. In diesen Fällen ist eine erweiterte Diagnostik (z.B. sofortiges Röntgenbild, Computertomogramm, Kernspin oder sofortige Überweisung zum Orthopäden oder Neurologen) nicht erforderlich! (DEGAM-Leitlinie Kreuzschmerzen)

Eine erweiterte Diagnostik ist nur erforderlich bei komplizierenden Faktoren (red flags), z.B. bei ausgeprägten neurologischen Ausfällen (z.B. Lähmungen der Beinmuskeln), v.a. bei Wirbelkörperbrüchen, Verdacht auf Schmerzursachen außerhalb der Wirbelsäule (z.B. Erweiterung der Bauchaorta, Nierenbeschwerden), anhaltenden Beschwerden mindestens über vier Wochen, Ischiasbeschwerden, die länger als zwei Wochen trotz Therapie anhalten. Ebenso ist eine weitere baldige Abklärung erforderlich bei Begleitbeschwerden im Blasen-Mastdarm-Bereich (z.B. Harn- oder Stuhlverhalt) oder bei Verdacht auf eine Infektion, z.B. eine Hirnhautentzündung.


Bei immer wiederkehrenden Rückenschmerzen ist es sinnvoll, die Rückenmuskulatur im Rahmen von Rückenschulen aufzutrainieren. Die gelernten Übungen sollten auch während der Woche regelmäßig, am besten täglich, eigenständig durchgeführt werden.
Für Massagen und manuelle Therapie ist eine anhaltende Wirkung nicht zweifelsfrei belegt. Diese sind kurzfristig hilfreich. Der Schwerpunkt sollte aber auf dem Auftrainieren der Rückenmuskulatur liegen. Bei anhaltenden Kreuzschmerzen (länger als vier Wochen) sollte auf jeden Fall eine multimodale Therapie (z.B. Schmerzmittel plus Physiotherapie, evtl. Akupunktur, Wärme- oder Kälteanwendung, Rückenschule) erfolgen.Bei anhaltenden Kreuz- und Rückenschmerzen, die länger als drei Monate anhalten, sollte eine ambulante oder stationäre Reha-Maßnahme in Betracht gezogen werden.

 

View: Volkskrankheit Rückenschmerzen
Kreuzschmerzen (Lumbago) (netdoktor)
Muskelhärten / Myogelosen
Die 24 Übungen des Trainingsposters Rückenschule der TK
Links zu Übungsseiten mit Rückenübungen bzw. Wirbelsäulengymnastik

 

Zu empfehlen ist regelmäßiger Ausdauersport, länger als eine halbe Stunde, mindestens drei- bis fünfmal pro Woche. Ein erstrebenswerter Kalorienverbrauch von 1500-2000 kcal pro Woche wird erzielt durch: 150-180 Minuten Joggen, Walking oder Radfahren pro Woche, d.h. 5 x mindestens 30 Minuten, an jeweils einzelnen Tagen.
Für Anfänger – d.h. Personen, die mehrere Jahre nicht trainiert haben – ist eine vorherige ärztliche Untersuchung empfehlenswert. Besteht zum Beispiel Bluthochdruck, sollte dieser vor sportlichen Belastungen erst medikamentös abgesenkt werden, da sonst die Risiken für Herz und Kreislauf unter Belastung höher sind als der positive Effekt.
Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Insulin-Empfindlichkeit der Muskeln zunimmt, je höher die Intensität und Häufigkeit muskelstärkender Aktivitäten ist. Dabei wirken sich bereits kurzdauernde Übungen in mäßiger Intensität günstig auf das Risiko einer Diabetes-Entstehung aus. Gerade beim Alters-Diabetes (Typ-II-Diabetes), der ja bei jedem vierten Nachkommen der betreffenden erkrankten Person ebenfalls entstehen kann, wirkt das vorbeugend. Man kann dem Diabetes-Risiko (von Vater oder Mutter vererbt) im wahrsten Sinne des Wortes „davonlaufen“!

 

View: Übergewicht, die neue Epidemie, und wie man ihr entkommt
Ausdauer macht gesund, schlank und glücklich
Übergewicht - mit behutsamer Nahrungsumstellung und regelmäßigem Ausdauersport Teufelkreis durchbrechen
Mit Nordic Walking sanft zu mehr Fitness

Reisedurchfall ist fast immer bakteriell bedingt, z.B. durch Coli-Bakterien. Liegt kein fieberhafter Durchfall vor und ist auch kein Blut im Stuhl, so kann der Reisende den Durchfall zunächst selbst behandeln.
Auf dem diesjährigen Internistenkongress in Wiesbaden wies der Reisemediziner PD Dr. Thomas Jelinek auf die gute Wirksamkeit von Tanninalbuminat-Präparaten hin (z.B. Tannacomp). Diese wirken gut bei akutem Reisedurchfall, in der Dosierung von 3 x 2 Tabletten. Die Tabletten werden bei Erwachsenen 4 x täglich 1-2 Tabletten eingenommen, am besten vor oder zu den Mahlzeiten, mit genügend Flüssigkeit.
Tannalbuminat-Präparate haben gegenüber Loperamid, das ebenfalls beim Reisedurchfall häufig verwendet wird, den Vorteil, dass sie den Darm nicht lähmen (was wiederum das Eindringen von Bakterien durch die Darmschleimhaut in den Organismus begünstigen kann).
Auch zur Vorbeugung können Tanninalbumin-Präparate eingenommen werden. In der Regel kann damit bei Reiseantritt begonnen werden mit je einer Tablette morgens und abends. Die Schutzrate liegt etwa bei 50 Prozent.
Häufig werden Probiotika, etwa Saccharomyces-Präparate, zur Reisedurchfall-Vorbeugung verwendet. Die Schutzrate liege hier aber nur bei ungefähr acht Prozent.
Ansonsten gilt in vielen Reiseländern, wie in den Tropen, Indien oder Ägypten der alte Rat: Cook it, boil it or forget it.
Bei Fieber oder blutigem Stuhl sollte ein Tropenreisender eventuell auch ein Antibiotikum, z.B. Azithromycin, bei sich haben, falls in den nächsten 24 Stunden kein Arzt erreichbar ist. Damit kann eine Anbehandlung bereits begonnen werden.

 

View: Reisedurchfall
Durchfall auf Reisen

 

Was für ein Krankheitsbild machen Masern?
In den ersten vier Tagen kommt es zu hohem Fieber bis 39° C, Schnupfen, evtl. Kopf- und Bauchschmerzen oder auch Durchfall. An den inneren Wangenschleimhäuten können sich dabei weiße Flecken in Höhe der Backenzähne finden (Koplik-Flecken). Nach 3-4 Tagen tritt zunächst eine Entfieberung ein.
Danach kommt es zum zweiten Fieberschub: zweigipfliger Fieberverlauf mit Fieber bis 41°C, verstärkten Krankheitserscheinungen, Bindehautentzündung, Schnupfen, Rachenentzündung, Bronchitis mit trockenem Reizhusten (”verrotzt, verheult, verquollen”), starkem Krankheitsgefuhl und Lichtscheu. Es tritt dann der typische Masernausschlag auf, dieser ist grobfleckig; er beginnt hinter den Ohren und steigt über den Kopf und Körper zu Armen und Beinen hinab. Die Rückbildung erfolgt in gleicher Folge.
Die Masernerkrankung führt zu einer lnfektanfälligkeit für ca. sechs Wochen. Danach besteht eine lebenslange Immunität.
 
Wie ansteckend sind Masern?
Die Masern werden durch Tröpfcheninfektion, also durch die Atemluft, übertragen. Ursache ist das Masernvirus. Die Masern sind hoch ansteckend (fast 100 Prozent). Früher waren meistens Kinder, heute sind weniger Kinder als Jugendliche und Erwachsene betroffen. Der Krankheitsverlauf ist dabei oft atypisch und schwer. Das liegt daran, dass die Durchimpfungsrate bei jungen Erwachsenen nur ca. 80 Prozent beträgt. Die Zeit bis zum Ausbruch der Erkrankung nach Infektion beträgt 8-10 Tage. Infektiosität besteht 5 Tage vor bis 4 Tage nach Ausbruch des grobfleckigen Masernausschlags.

Wie können die Masern behandelt werden?
Die Masern werden durch Bettruhe und Fiebermittel symptomatisch behandelt. Eine ursächliche Erkrankung ist nach Ausbruch nicht möglich. Bei Komplikationen (Mittelohrentzündung, schwere Bronchitis) können Antibiotika gegeben werden.

Wie kann der Masern-Erkrankung vorgebeugt werden?
Eine Vorbeugung ist durch eine rechtzeitige Impfung möglich. Diese Impfung wird bereits im Säuglingsalter 2 x durchgeführt. Nach Kontakt mit Masern-Erkrankten kann innerhalb von drei Tagen noch eine aktive Masern-Impfung durchgeführt werden.
Bei Erwachsenen reicht eine einzige Masern-Impfung aus. Sie wird meist mit Mumps- und Röteln-Impfung kombiniert. Die Kassen übernehmen nicht in allen Fällen bei Erwachsenen die Kosten. Eine Schwangerschaft sollte zum Zeitpunkt der Impfung ausgeschlossen sein, vor allem in der Kombination mit der Röteln-Impfung.


View: “Masern bedrohen ungeimpfte Kinder ” (05.04.2008 - DIE WELT)
Masern - die unterschätzte Gefahr
Masern bei Erwachsenen (netdoktor.de)
Masern bei Baby & Kind (netdoktor.de)
Masern-Impfung für EM-Touristen empfohlen

Die folgenden Ausführungen gehen zurück auf Informationen von Prof. Dr. Dr. Peter Kimmig vom Landesgesundheitsamt Stuttgart. Prof. Kimmig führte auf einem Impfseminar in Stuttgart am 15.3.2008 aus, dass bei milderen Wintern in Zukunft mit Infektionen gerechnet werden müsse, die für unsere Breiten bisher nicht üblich sind. Wesentlich dabei sind Krankheiten, die durch Insekten, Zecken und Milben übertragen werden. Wenn sich diese sogenannten “Vektoren” aufgrund der globalen Erwärmung in den Norden ausbreiten können, stellen die dadurch übertragenen Infektionen eine realistische Gefahr dar.

Q- Fieber
Das Q-Fieber (Krimfieber, Balkangrippe) wird übertragen durch Zecken, vor allem durch die Schafzecke (Dermacentor marginatus). Diese benötigen größere Wirtstiere wie Schafe oder Ziegen. Diese Zeckenarten können den Erreger des Q-Fiebers beherbergen, die sogenannten Coxiellen, die in lebenden Zellen leben. Die Coxiellen bilden Sporen, die über Monate in der Umwelt überleben können und bei heißem, trockenem Klima große Distanzen überbrücken können. Sie können mit dem Staub nämlich verweht werden.
Q-Fieber-Infektionen führen nicht immer zu Erkrankungen, sondern verlaufen in 60 Prozent der Fälle unbemerkt. In anderen Fällen kommt es zu einem “Sommergrippe”-ähnlichen Krankheitsbild, mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie heftigen Schmerzen hinter den Augäpfeln. Es kann zu einer atypischen Lungenentzündung und zu einer Leberentzündung kommen.
Besonders gefährlich ist das Q-Fieber für Schwangere und Herzklappen-Patienten. Bei Schwangeren kommt es häufig zu Fehl- und Frühgeburten. Mit 30-50prozentiger Wahrscheinlichkeit entwickelt sich bei einer Schwangeren bei Infektion ein chronisches Q-Fieber. Im warmen Süddeutschland sind die Dermacentor-Zecken fest etabliert. Es gibt immer wieder epidemieartige Ausbrüche von Q-Fieber.

Leishmaniose
Leishmanien werden durch Sandmücken (Schmetterlingsmücken, Sandflies, Phlebotomus ) übertragen. Beim Stich einer infizierten Sandmücke werden die Parasiten mit dem Speichel injiziert und im Gewebe aufgenommen.
So kann es zu hartnäckigen Hautgeschwüren nach dem Einstich kommen oder auch zu Befall von inneren Organen.
In den letzten Jahren wurden Sandmücken auch in Deutschland nachgewiesen. Mit einer zunehmenden Ausbreitung ist bei Erwärmung zu rechnen. Dieser Gefahr wird durch den weitgehend unkontrollierten Import von Hunden aus dem Mittelmeerraum noch Vorschub geleistet. Hunde sind für Leishmanien-Infektionen sehr empfänglich. Sie können an Geschwüren im Bereich der Schnauze und an Haarausfall erkannt werden.

Rickettsien
Viele Zecken – auch der sogenannte “Gemeine Holzbock”, die hierzulande häufigste Zecke – sind Träger von Rickettsien. Durchschnittlich 9 Prozent der Zecken in Baden- Württemberg enthalten Rickettsien.
Hunde stellen auch Wirte für Rickettsien dar. Durch den Import von Hunden aus dem Mittelmeerraum kann die Gefahr von Mittelmeerfieber in Deutschland erhöht werden. Erkrankungsbild: Es kann zu Hautblutungen kommen (”Fleckfieber”). An der Stelle des Zeckenstichs kommt es zu einem kleinen schwarzen Fleck (Tache noire), um den sich Hautblutungen gruppieren. Es kann auch zu einem Befall von inneren Organen kommen.

Hanta-Viren
Verschiedene Nager übertragen die sogenannten Hanta-Viren. Zu diesen Nagern gehören z.B. Hausmäuse, Ratten, Gelbhalsmäuse und Waldmäuse. Hanta-Viren führen in ihren jeweiligen Wirten zu einer lang anhaltenden Infektion, ohne dass die Tiere erkranken; dabei werden die Erreger (die Viren) aber ausgeschieden.
Die Erkrankungen können zum Beispiel als fieberhafte “Sommergrippe” verlaufen. Bei 5-10 Prozent der Infizierten findet sich eine Nierenentzündung. Diese verläuft mit hohem Fieber (> 38° C), heftigen Kreuzschmerzen, Bauch- und Kopfschmerzen.
Hanta-Viren sind weit verbreitet; der Schwerpunkt liegt jedoch in Süddeutschland (Baden- Württemberg und Bayern).
Im Jahr 2007 kam es in Baden- Württemberg zu einer Häufung von Hanta-Virus-Infektionen mit mehr als 1.100 Fällen. Diese traten nach dem extrem milden Winter 2006/2007 auf.
Zu Infektionen kann es kommen
- durch Kontakt mit toten Nagern und ihren Ausscheidungen,
- nach dem Ausfegen von Garagen und Gartenhäusern (Säubern von Mäusekot), vor allem aber
nach dem Aufsuchen von Waldhütten und Grillplätzen.

Dengue
Die Dengue-Krankheit wird übertragen durch den sogenannten Tigermoskito (Aedes albopictus). Dieser Tigermoskito (Tigermücke) wurde mit dem Gebrauchtreifen-Handel vor einigen Jahren nach Südeuropa eingeschleppt und breitet sich seither unaufhaltsam nach Norden aus- Leider haben sich auch einige Arten entwickelt, die kälteresistenter sind. Das Dengue-Fieber (hohes Fieber, Gelenkschmerzen, eventuell ein Ausschlag) könnte also bald auch in unseren Breiten auftreten.

View: Mit dem Klimawandel kommen neue Krankheiten
Klimawandel: Exotische Krankheiten im Anflug
Thema: Zeckenübertragene Erkrankungen (PDF)
Klimaveränderung: Globale Erwärmung birgt lokale Gesundheitsrisiken
Klimawandel: Drohen Tropenkrankheiten auch in Deutschland?

Eine Patientin, Sportlerin, 70 Jahre, erzählt, sie habe morgens einige Minuten lang nicht sprechen können, die Worte seien “nicht rausgekommen”. Jetzt sei wieder „alles in Ordnung“. Was war zu tun? Konnte man sie wieder nach Hause schicken?

Was dieser Frau widerfahren war, war ein Mini-Schlaganfall. Das war so etwas wie ein Schuss vor den Bug, ein Warnzeichen! Sie musste in die Klinik zur Überwachung, denn mit hoher Wahrscheinlichkeit würde sie in den nächsten Tagen einen „richtigen“ Schlaganfall erleiden.

Time is Brain – “Zeit ist Gehirn”. Ein Schlaganfall gleicht einem Blitz – er ist wie ein schnelles, gefährliches Ereignis.
Die Patientin sollte in den ersten 3 Stunden nach den Symptomen in die Klinik kommen, und dort sollte innerhalb der ersten 30 Minuten ein Computer-Tomogramm (CT) gemacht werden.

Was ist wichtig, wenn Verdacht auf einen Schlaganfall besteht?
Es muss sehr rasch geklärt werden, ob eine Hirnblutung die Ursache der Beschwerden ist oder ob ein Gerinnsel Blutbahnen verstopft (CT, Kernspin-Tomographie); dann entsprechende Behandlung, Überwachung von Herz und Kreislauf.

Time is Brain – “Zeit ist Gehirn”!
In jeder Minute nach dem Schlaganfall sterben ca. 2 Millionen Nervenzellen und 12 km Nervenfasern ab. Insgesamt altert der Patient pro Minute Schlaganfall um drei Wochen – d.h. nach 17 Minuten um ca. ein Jahr! Eine rasche Therapie ist daher sehr dringend erforderlich.
Nur 13 % der Patienten mit Anzeichen für einen Schlaganfall kommen selbst in die Klinik. Das bedeutet, dass die Anzeichen für einen Schlaganfall noch zu wenig in der Öffentlichkeit bekannt sind.

Anzeichen für einen Schlaganfall:
- Taubheit, Schwäche an Arm, Bein oder im Gesicht (Mundwinkel hängt)
- eine Hand kann nicht mehr fest geschlossen werden
- plötzliche Sehschwäche, Sehstörung
- Hörverlust
- Erschwertes Sprechen
- Gleichgewichtsstörungen, Benommenheit (z.B. berichtete ein Patient, dass er immer nach einer Seite kippt).

View: Kompetenznetz Schlaganfall
Schlaganfall (Apoplex, Insult, Hirnschlag) (netdoktor.de)
Anzeichen für einen Schlaganfall
Erfolgreiche Therapie bei Schlaganfall (mdr, “Hauptsache gesund”)

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